Der Austro Daimler AD 6/17

Ein echter Wiener Neustädter: Der Austro Daimler AD 6/17

Von der Luxuskarosse der 20er Jahre zum Feuerwehrauto und zum Museumsstück.

Der AD6 oder auch AD6/17 oder auch AD17/60 genannt, galt als vornehmes und teures Auto und war der österreichische Beitrag in der internationalen Luxuswagenklasse. Der große 6 Zylinderwagen mit Königswellenantrieb mit 85 mm Bohrung und 130 mm Hub und einem Hubraum von 4.400 ccm und 60 angegebenen und 65 maximalen PS war er seinerzeit das Spitzenmodell aus Wiener Neustadt.

Das Museumsauto war mit einer als Double Phaeton ausgeführten Karosserie der OeFFAG (Österr. Flugzeug Fabrik AG Wr. Neustadt), geordert worden. Diese wurde mit einem aus einem Eschenholz gefertigten Rahmen, der mit ca. 7 mm starken Pappelholzpanelen verkleidet wurde, ausgeführt.

Im Inneren sind 5 feste, sowie 2 klappbare Ledersitze eingebaut. Ein leichtes Verdeck schützt die Insassen vor Wind und Nässe und im Winterbetrieb konnten außerdem Steckscheiben an den 4 Türen angebracht werden. Die Innenverkleidungen sind mit feinen Hölzern ausgelegt und am Armaturenbrett befinden sich ein Tachometer und eine Zeituhr, ein Ölwarnlämpchen, eine Instrumentenbeleuchtung und ein Bosch Zündschloss.

Gebaut wurde das Museumsauto 1922, wie es die Stempelungen am Motorblock beweisen, verkauft 1923 von der Fa. Thelander/Stockholm um 16.000 SK an das Hotel Siljansborg, Vikarbyn (beim Siljan-See, Mittelschweden). Die Chauffeure Sven Sjökvist und sein Nachfolger Mr. Momquist hatten die Ehre mit diesem schönen Wagen berühmte Gäste des Hotels wie z.B. Schwedens König Gustav mit Gattin Luise, Graf Wallenberg oder „Times“-Chef Bonnier zu fahren.

Doch schon 1930 wurde der Wagen als nicht mehr modern angesehen und „unser“ AD 6 wurde Mannschaftswagen der Feuerwehr im schwedischen Gagnef. 1946 wechselte er zum ORSA Flugplatz nach Rättvik, um Segelflugzeuge hochzuziehen. Doch als er dafür nicht mehr stark genug war, wurde er als Pflugwagen verkauft und fristete ein trauriges Dasein, bis Ture Guth ihn 1952 entdeckte und seinen Wert erkannte.

Ab diesem Zeitpunkt befand sich der AD nur mehr im Privatbesitz und wurde einmal sogar bei der Rallye Monte Carlo gefahren. 1996 wurde er vom Versteigerungshaus Coys of Kensington an das Automobilmuseum Stainz verkauft und ist schließlich im Besitz eines Wiener Arztes gelandet.

2002 erfolgte der Ankauf des Oldtimers durch die Vermittlung von Prof. Franz Pinczolitz, DI Reinhard List und Gerhard Weinzettl an KommR Baumeister Josef Panis und seitdem ist der AD wieder zurück in seiner Heimat Wiener Neustadt.

Derzeit wird der AD restauriert – danach darf er noch an einer Fahrt der Sektion Austro Daimler in der Südsteiermark teilnehmen. Während der Landesausstellung muss der Oldtimer in ein Ausweichquartier übersiedeln und ab Ende 2019 ist er wieder fix im Museum St. Peter an der Sperr zu bewundern.

Wiener Neustadt, 8. August 2018

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