Hitzeschutzplan der Statutarstadt Wiener Neustadt
Vorsorge, Schutz und Anpassung an Hitzeperioden
Einleitung
Der Klimawandel führt auch in Wiener Neustadt zu einer zunehmenden Anzahl an Hitzetagen, Tropennächten und längeren Hitzeperioden. Besonders ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke sowie Personen, die im Freien arbeiten, sind von hohen Temperaturen betroffen. Gleichzeitig wirken sich Hitzeereignisse auf die Lebensqualität, die Gesundheit sowie auf die städtische Infrastruktur aus.
Mit diesem Hitzeschutzplan verfolgt die Stadt Wiener Neustadt das Ziel, die Bevölkerung über Gefahren von Hitze zu informieren, gesundheitliche Risiken zu minimieren und die Stadt langfristig an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen. Grundlage dafür bilden die aktuelle Stadtklimaanalyse von Weatherpark und INKEK sowie die Empfehlungen des Nationalen Hitzeschutzplanes.
- Aktuelle Situation in Wiener Neustadt
Die Stadtklimaanalyse 2025 zeigt, dass innerhalb des Stadtgebietes unterschiedliche Belastungen durch sommerliche Hitze auftreten. Besonders dicht bebaute und stark versiegelte Bereiche weisen eine erhöhte Wärmebelastung auf, während Grünflächen, Waldgebiete und offene Freiräume wichtige Kühlungs- und Frischluftfunktionen übernehmen.
Die Analyse identifiziert insbesondere:
- Innerstädtische Bereiche mit ausgeprägten Wärmeinseln
- Stadtteile mit moderater Erwärmung
- Grünräume mit hoher klimaökologischer Bedeutung
- Kaltluftentstehungsgebiete und Kaltluftabflussbahnen
- Wichtige Durchlüftungskorridore für das Stadtgebiet
Diese Erkenntnisse dienen als Grundlage für zukünftige Planungs- und Anpassungsmaßnahmen.
- Verhaltensempfehlungen bei Hitze
Ausreichend trinken
- Täglich mindestens 2 bis 3 Liter Wasser trinken.
- Regelmäßig trinken, auch ohne Durstgefühl.
- Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke möglichst vermeiden.
- Bei körperlicher Anstrengung zusätzliche Flüssigkeit aufnehmen.
Wohnung kühl halten
- Tagsüber Fenster und Rollläden geschlossen halten.
- Frühmorgens und nachts lüften.
- Elektrische Geräte möglichst sparsam verwenden.
Aufenthalt im Freien
- Direkte Sonneneinstrahlung insbesondere zwischen 11:00 und 17:00 Uhr meiden.
- Schattenplätze aufsuchen.
- Leichte, helle Kleidung tragen.
- Kopfbedeckung und Sonnenschutz verwenden.
Besondere Aufmerksamkeit für gefährdete Personen
- Ältere Menschen regelmäßig kontaktieren.
- Auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten.
- Kinder niemals in geparkten Fahrzeugen zurücklassen.
- Bei Anzeichen von Hitzestress (Schwindel, Übelkeit, Kreislaufprobleme) medizinische Hilfe verständigen.
- Trinkwasserversorgung im öffentlichen Raum
Die Stadt Wiener Neustadt verfügt über derzeit 17 öffentliche Trinkbrunnen, die insbesondere während Hitzeperioden eine wichtige Versorgungsfunktion erfüllen.
Trinkbrunnenkarte
Die Standorte aller öffentlichen Trinkbrunnen können online eingesehen werden:
Trinkbrunnenkarte Wiener Neustadt
Interaktive Trinkbrunnenkarte Wiener Neustadt
Zusätzlich wird derzeit daran gearbeitet, die Trinkbrunnen künftig auch direkt in Google Maps darzustellen.
Auflistung der aktuellen Trinkbrunnen
- Bahnhof / Utoya-Park
- Hauptplatz Schrauthammer-Brunnen
- Hauptplatz (gegenüber Altes Rathaus)
- Akademiepark (Fohlenhof)
- Johannes-von-Nepomuk-Platz
- Achtersee
- Stadtpark
- Walter Vogelweide-Park
- Neukloster
- Kleines Lazarett / Sparefroh Spielplatz
- Fischabachgasse
- Schnotzendorfer Gasse
- Schützengasse
- Rastplatz Euro Velo 9 Schafflerbrücke
Geplante Erweiterung
- Ende Juli 2026 wird ein weiterer Trinkbrunnen mit Wasserdüse im Stadtgebiet installiert.
- kühle Räumlichkeiten im Stadtgebiet
Ein wesentlicher Punkt im Falle von besonders heißen Tagen ist die Möglichkeit, kühle Räumlichkeiten aufzusuchen.
Im Stadtgebiet von Wiener Neustadt gibt es hier in erster Linie folgende konsumfreie Möglichkeiten:
- Bibliothek im Zentrum – im FH-City Campus in der Schlögelgasse – weitere Infos
- alle Kirchen, die rund um die Uhr geöffnet sind
- natürlich sind auch die städtischen Einrichtungen wie das Museum St. Peter an der Sperr und die Kasematten öffentlich zugänglich
- Empfehlungen für Einrichtungen
Pflege- und Betreuungseinrichtungen
- Erstellung interner Hitzeaktionspläne
- Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme
- Kühlräume bzw. schattige Aufenthaltsbereiche bereitstellen
- Anpassung von Aktivitäten an die Tageszeiten
Schulen und Kindergärten
- Ausreichende Trinkmöglichkeiten sicherstellen
- Aktivitäten in die Morgenstunden verlegen
- Beschattete Außenbereiche nutzen
- Eltern über Hitzeschutzmaßnahmen informieren
Betriebe und Arbeitgeber
- Arbeitszeiten anpassen
- Schattenplätze bereitstellen
- Trinkwasser zur Verfügung stellen
- Hitzepausen ermöglichen
- Informations- und Beratungsangebote
Weiterführende Informationen zum Thema Hitzeschutz:
- Nationaler Hitzeschutzplan Österreich
- Land Niederösterreich – Klima und Hitze
- Österreichisches Rotes Kreuz – Hitzewelle und Gesundheitsschutz
- Maßnahmen der Stadt Wiener Neustadt
Information und Kommunikation
- Veröffentlichung des Hitzeschutzplans auf der Stadt-Homepage
- Verlinkung auf öffentliche Trinkbrunnen – Verortung am Online-Stadtplan
- Verlinkung auf wichtige weiterführende Informationen anderer Institutionen
Öffentlicher Raum
- Sicherstellung der Funktionsfähigkeit aller Trinkbrunnen
- Bereitstellung von Sitzmöglichkeiten in schattigen Bereichen
- Verstärkte Bewässerung der Stadtbäume bei Bedarf
- Generell gibt es im Stadtgebiet eine Vielzahl von schattigen Parks – auch in den Fußgängerzonen und am Hauptplatz sind schattenspendende Bäume – insgesamt befinden sich innerstädtisch rund 1.000 Bäume
- Mittel- und langfristige Anpassungsmaßnahmen
Entsiegelung
Zur Reduktion der sommerlichen Aufheizung sollen versiegelte Flächen schrittweise reduziert werden:
- Entsiegelung von Parkplätzen
- Verwendung wasserdurchlässiger Beläge
- Schaffung von Versickerungsflächen
Begrünung
- Pflanzung zusätzlicher Straßenbäume
- Ausbau innerstädtischer Grünflächen
- Forcierung von Fassaden- und Dachbegrünungen bei Neu- und Umbauten
Beschattung
- Beschattung von Spielplätzen
- Schaffung zusätzlicher Schattenbereiche auf öffentlichen Plätzen
- Einsatz von Pergolen und Begrünungselementen
- Berücksichtigung von Beschattung bei Neubauprojekten
Schutz von Frischluft- und Kaltluftkorridoren
Gemäß Stadtklimaanalyse sollen klimatisch wertvolle Flächen langfristig gesichert werden:
- Erhalt von Kaltluftentstehungsgebieten
- Freihaltung wichtiger Luftaustauschbahnen
- Vermeidung zusätzlicher Barrieren in Durchlüftungskorridoren
- Berücksichtigung klimatischer Aspekte in Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung
Wassermanagement
- Ausbau von Regenwassernutzungssystemen
- Schaffung zusätzlicher Wasserelemente im öffentlichen Raum
- Förderung klimaresilienter Grünräume
Pionierstadt Wiener Neustadt
Im Rahmen der Initiative „Klimaneutrale Stadt“ ist Wiener Neustadt seitens des Bundes als „Pionierstadt“ qualifiziert, was eine Vielzahl von Maßnahmen und Projekten mit sich bringt. Unter anderem arbeitet das Pionierstadt- im Rahmen des Klimafahrplans als konkrete Maßnahme an der permanenten Weiterentwicklung des Hitzschutzplans - weitere Informationen dazu erhalten Sie hier: Pionierstadt Wiener Neustadt
Klima- und Energiemodellregion
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist die Stadt Wiener Neustadt auch Klima- und Energiemodellregion. Auch hier werden Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung gesetzt. Infos dazu finden Sie hier: Klima- & Energiemodellregion
- Umsetzung und Weiterentwicklung
Der Hitzeschutzplan wird laufend weiterentwickelt und an neue Erkenntnisse angepasst. Die Stadt Wiener Neustadt wird die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse bei zukünftigen Planungs- und Infrastrukturprojekten berücksichtigen und die einzelnen Maßnahmen schrittweise konkretisieren.
Ziel ist es, die Lebensqualität der Bevölkerung auch unter den Bedingungen des fortschreitenden Klimawandels nachhaltig zu sichern und Wiener Neustadt als klimaresiliente Stadt weiterzuentwickeln.
Stand: Juni 2026