Vernetzung im Sinne der Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt

Opferschutzgruppe im Universitätsklinikum leistet hervorragende Arbeit auf breiter Basis – hinkünftig noch engere Zusammenarbeit mit allen anderen Institutionen

Auf Initiative von Erster Vizebürgermeisterin Gesundheits- und Frauenstadträtin Erika Buchinger und Stadtrat LAbg. Franz Dinhobl fand im Wiener Neustädter Rathaus ein Vernetzungstreffen mit Vertreterinnen und Vertretern des Universitätsklinikums Wiener Neustadt zum Thema „Opfer- und Gewaltschutz geht uns alle an!“ statt. Im Universitätsklinikum gibt es seit über 10 Jahren eine eigene Opferschutzgruppe quer über alle Abteilungen, die sich dieses so wichtigen und sensiblen Themas annimmt und Patientinnen und Patienten diesbezüglich berät und betreut. Grundtenor des Treffens: „Nicht wegschauen und größtmögliche Hilfe so niederschwellig und sensibel wie möglich anbieten!“

Bild (Stadt Wiener Neustadt/Weller): Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Wiener Neustadt Ojan Assadian, Leiterin der Klinischen Psychologie Sandra Seczer, Stadtrat LAbg. Franz Dinhobl, Erste Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Erika Buchinger, Oberärztin Petra Rosa (Klinische Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe), Oberarzt Martin Schuler (Klinische Abteilung für Orthopädie und Traumatologie) und Primarius der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde Wolfgang Schebesta.

„Das Thema ‚Gewalt gegen Frauen und Kinder‘ begleitet mich leider schon seit einigen Jahren und ist mir als Gesundheits- und Frauenstadträtin natürlich ein besonders großes Anliegen. Es geht hier einerseits um Prävention, damit derartige Gewalt- oder Missbrauchstaten gar nicht vorkommen. Andererseits gilt es aber klarerweise den Opfern die größtmögliche Hilfestellung zu geben. Das Universitätsklinikum Wiener Neustadt ist hier extrem breit und fundiert aufgestellt – von der Pflege, den medizinischen Administrationskräften über die Ärztinnen und Ärzte bis hin zu Klinischen Psychologinnen und Psychologen. Sie alle leisten hervorragende Arbeit, darauf kann man wirklich stolz sein. Mir ist es nun wichtig, dass wir uns noch enger vernetzen wie bislang – und zwar von der Stadt über das Land als Träger der Kliniken und das Universitätsklinikum selbst bis hin zu den Frauenhäusern, den Vereinen und vielen mehr. Dann können wir für die Frauen und auch Kinder in unserer Stadt sehr viel erreichen“, so Erste Vizebürgermeisterin Erika Buchinger.

 

Stadtrat LAbg. Franz Dinhobl, Gesundheitssprecher im Niederösterreichischen Landtag: „Seitens des Landes Niederösterreich haben wir erst kürzlich einen Beschluss gefasst, der den Weg der Landes- und Universitätskliniken verstärken wird. Es geht hier um eine flächendeckende, dezentrale Organisation mit Opferschutzgruppen in jedem Klinikum, fundierten Schulungen für eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und somit einem sehr niederschwelligen und diskreten Zugang zur Hilfe durch kompetentes Personal. Unsere Ärztinnen und Ärzte, Klinischen Psychologinnen und Psychologen, sowie das Pflegepersonal leisten tagtäglich ganz hervorragende Arbeit, als verantwortungsbewusste Politiker stellen wir dafür die besten Rahmenbedingungen zur Verfügung. Eine eigene ‚Gewaltschutzambulanz‘ in einzelnen Kliniken ist für uns in Niederösterreich kein Thema, weil hier allenfalls die Scheu und Scham sich zu outen größer ist, als im geschützten Bereich.“

 

Ojan Assadian, ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Wiener Neustadt, über die Sicht im Krankenhaus: „Die Philosophie unseres Hauses ist ‚nicht wegschauen, aber auch nicht an eine Stelle abschieben‘. Wir bemühen uns seit Jahren, in Sachen Opferschutz einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. All unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sensibilisiert für dieses Thema, das beginnt schon bei der Erstaufnahme oder im Kontakt mit den Rettungsorganisationen, falls hier beim Transport irgendetwas aufgefallen ist. Die Erfahrungen der Opferschutzgruppe in den letzten 10 Jahren sind durchwegs positiv. Egal, wo ein Verdacht auftritt, es geht für die Patientinnen und Patienten sofort in eine eigene Betreuung im Klinikbereich, wo in einem geschützten Rahmen alle notwendigen Schritte gesetzt werden. Wir verfolgen den Ansatz das wir das Thema Opferschutz nicht in eine einzelne Ambulanz verorten wollen, sondern dezentral im ganzen Haus an der bestmöglichen Expertisenstelle versorgt wissen wollen. Besonders wichtig wird hinkünftig eine weitere noch engere Vernetzung mit allen anderen Institutionen sein, damit wir noch schneller reagieren können. Ich bedanke mich bei der Stadt Wiener Neustadt für diese Initiative!“

Bei dem Treffen im Wiener Neustädter Rathaus nahmen neben dem ärztlichen Direktor Wolfgang Schebesta (Primarius der Klinischen Abteilung für  Kinder- und Jugendheilkunde), Oberarzt Martin Schuler (Klinische Abteilung für Orthopädie und Traumatologie), Oberärztin Petra Rosa (Klinische Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe) und Sandra Seczer (Leiterin klinische Psychologie) teil.

 

Zur Opferschutzgruppe im Universitätsklinikum Wiener Neustadt

  • Etablierung im Jahr 2016
  • derzeit im Kernteam rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Ärzte, Pflege, Psychologen, etc.)
  • weitere Mitwirkende über alle Bereiche verteilt
  • Alle Mitarbeiter im Haus bekommen Leitfaden und Ablaufdiagramm, was zu tun ist, wenn ein Verdacht auf häusliche oder sexuelle Gewalt auftritt.
  • Opfer werden so betreut, wie es notwendig ist – medizinisch, Dokumentation der Verletzungen für allfällige Gerichtsverfahren, Informationen über weitere Hilfsorganisationen (zB Frauenhaus) bzw, Behörden (zB Staatsanwaltschaft), etc.
  • Im Klinikum liegen zu all diesen Themen Folder auf, es hängen Informationsplakate und zur Abrundung finden sich die Infos auch auf noe-lga.at
  • seit 2020 90 dokumentierte Fälle der Opferschutzgruppe
  • Eine Sonderstellung nimmt die Kinder- und Jugendheilkunde ein. Hier gibt es eine eigene Opferschutzgruppe, die sich um Opfer von Gewalt kümmert. Es besteht darüber hinaus eine enge Kooperation mit dem Jugendamt bzw. auch mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Bei den Kindern und Jugendlichen wird auch jeder Verdacht ausnahmslos zur Anzeige gebracht.

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